Über das Album

Das Lebensglück einer Frau, die nur knapp nach dem Ende der NS-Euthanasie mit Down-Syndrom geboren wurde, mit der ihre Mutter zur Förderung regelmäßig in die Großstadt fuhr zu einer Zeit, als Menschen mit Trisomie 21 in anderen Familien versteckt wurden, die ein selbstbestimmtes Leben in einer wertschätzenden Umgebung führen konnte, und die ihre anfänglich prognostizierte Lebenserwartung von 30 Jahren um mehr als 45 Jahre übertroffen hat – dieses Lebensglück hat mich vor rund zwei Jahren zum Stück „Gitta“ inspiriert und damit den Grundstein für dieses Album gelegt.

„Die Lösung ist nur ein paar Sekunden entfernt“ ist eine musikalische Sammlung von Anekdoten, die mir in den letzten Jahren von Menschen erzählt wurden, deren Erlebnisse im und nach dem Zweiten Weltkrieg fast ihr ganzes Leben lang unerzählt blieben und doch gegen Ende noch zum Ausdruck gebracht werden mussten. Statt in Worten konnte ich das Gehörte nur in Noten verarbeiten, oft spontan aus der Emotion heraus in Improvisationen, die sich dann später zu Stücken manifestierten.

Der in der Musik klar vorhandene, titelgebende Optimismus liegt zum einen in meiner Natur, zeugt aber auch von der Resilienz der Erzählenden, oft als notwendiger Ausweg aus für uns heute unvorstellbaren Lebensumständen. Die Geschichten umspannen letztlich „Ein Leben“, sie erzählen „überlebenundtod“. Was hat ein Leben ausgemacht? Was waren die Höhen und Tiefen? Was war ganz besonders „DiWerent“ zum Leben anderer? Welche Sehnsuchtsgefühle entstehen, wenn Lebenspartner „Abschied“ nehmen, zwei Menschen „Nearly, but not quite“ vereint sind?

Mir war es dabei besonders wichtig, den „Fokus“ auf das Schöne zu richten, das in allen Lebensphasen steckt, das Schöne in den kleinen Dingen, „Beauty to beauty“. Die Spielfreude und das Gemeinschaftsgefühl von „Decaf & Oats“ beschließen das Album dann auch mit viel Wärme – und Optimismus.

Wolfgang Köck
Cornelia Pesendorfer
Martin Rotheneder

(Alle Fotos von Jay Choma)

Im Mittelpunkt des Albums steht die Akustikgitarre, bespannt mit Stahlsaiten und gestimmt in einem offenen D-Dur Akkord. Dazu gesellen sich bei einigen Stücken Oboe und Englischhorn von Cornelia Pesendorfer und der Kontrabass von Wolfgang Köck.

Wenn’s eine Schublade gibt, in die das Album passt, dann hat sie wohl viele Fächer. Denn in diesem Album stecken 40 Jahre meiner Beschäftigung mit sehr unterschiedlichen Facetten „meines“ Instruments. Die Fächer würde ich dann eher mit Namen als mit Genres beschriften: Ralph Towner, Joni Mitchell, Pat Metheny, Peter Ratzenbeck, Narciso Yepes oder Egberto Gismonti. Allen gemeinsam ist das fließende Überschreiten und Erweitern von Genregrenzen, das auch mir sehr nahe ist.

Alle Solo-Stücke wurden in meinem eigenen Studio im Herbst 2025 aufgenommen, die Live-Trio-Aufnahmen im Freiraum St. Pölten – ohne jeglichem Einsatz von KI.

13 Lösungen

Als das Album fertig war, hab ich mir zu jedem Stück meine persönliche „Lösung“ überlegt und in kurzen Worten formuliert. Daraus sind zwei Arten von „Lösungskarten“ entstanden:

  • Handgemachte, auf der Schreibmaschine getippte Karten aus hochwertigem Karton, auf der auch individuelle Lösungen ergänzt werden können. Auf jeder Karte findet sich auf der Rückseite ein QR-Code, der zum jeweiligen Stück auf Bandcamp führt. Diese Karten werden jeder gekauften CD- oder T-Shirt beigelegt, ausgesucht entweder per Zufall oder persönlich ausgewählt.
  • Grafisch mit Fotos gestaltete Karten (siehe unten), hochwertig bedruckt, wiederum mit QR-Code versehen und in meinem Shop bei Bandcamp erhältlich.