Biografie

I steck mein Kopf
durch oide Fenster
wisch ma den Rost
vo meiner Stirn

Die Sehnsucht nach Abenteuer, der leichte Thrill des Neuen, fremde Gerüche aufnehmen. UNBEKANNTES LEBEN. „Es war die Erzählung eines Freundes, seine Erinnerungen an die ersten Ausflüge abseits von Tennis- und Fußballplatz in der vertrauten Heimatgemeinde, raus in die Stadt, neue Leute treffen, neue Musik hören. Das hat mich gepackt und Erinnerungen geweckt“, erinnert sich Songwriter Martin Rotheneder an die Inspiration für den Song.

MartinRotheneder_Pressefoto01_Website_Quadrat

Doch die Sehnsucht liegt nicht nur in der Vergangenheit, schon die ersten Textzeilen sind sehr im Jetzt verhaftet: „Wenn ich eine Strecke regelmäßig fahre gibt’s immer Straßen, wo’s mich juckt, wo ich wissen will wie’s da ausschaut. Manchmal gönn ich mir einen kleinen Umweg, oft genug aber bleibt’s Phantasie.“ Ein Stück weit unter der Oberfläche findet man dann auch einen Hauch Melancholie, da wird die Sehnsucht zur gedanklichen Flucht. „Oft in besonders stressigen Zeiten wünsch ich mich weg von allem Gewohnten, möchte was neues erleben, von vorne anfangen. Das ist so ein Impuls, der mir offenbar dabei hilft, den Stress zu überwinden, weil eigentlich fühl ich mich da wo ich bin eh sehr wohl und die Flucht bleibt dann immer ein Gedankenspiel.“

Mit dem Song UNBEKANNTES LEBEN veröffentlicht Martin Rotheneder nach GIPFEL und HAMGAUNG bereits die dritte Single, seit er im Mai diesen Jahres begonnen hat, Musik unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichen. Schon davor war er als „Soulitaire“ sehr produktiv, hat nun aber die Sprache hin zu Mundart gewechselt. Was bleibt ist sein erdig-druckvoller Sound mit elektronischen Einsprengseln, mit der Akustikgitarre als Basis, gewürzt mit Drumsamples, Bass, E-Gitarre und diversen anderen, oft nicht gleich erkennbaren Sounds. Oben drüber die typische Stimme, die durch die Mundart trotzdem wieder neue Facetten bekommt.

Diese Spielweisen hat Martin Rotheneder auf seinen vielen Stationen seit der Debut- Single Television 2004 bei Wohnzimmer Records stets verfeinern können. Worn Legs, der erste Release am damals noch neuen eigenen Plattenlabel Violet Noise Records, zeigte bereits ein umfangreiches Spektrum an Songwriting und Arrangement, das sich spätestens mit dem Erfolg der Band I Am Cereals zwei Jahre später bezahlt machte. Die Jahre 2010 und 2011 bildeten einen ersten Höhepunkt mit einer Top 5 Nominierung beim Amadeus Award für I Am Cereals, der erfolgreichen Grätsche zwischen FM4 und ö3 mit dem Wüstenrock-Loop-Duo The Black Riders und dem FM4-Dauerbrenner Pirate Ships – wiederum als Ben Martin.

Gerade als es Bilderbuch gelang, die gläserne Decke in der österreichischen Poplandschaft zu durchbrechen, war bei Martin Rotheneder eine erschöpfungsbedingte Pause angesagt. Nach einem letzten Ben Martin Album 2013 zog er sich ins Familienleben in seiner Heimatstadt St. Pölten zurück, gelegentlich sah man ihn als „Hired Gun“ als Gitarrist an der Seite von Lemo oder Julian Le Play, ansonsten blieb es bis 2016 eher ruhig. Einzig hinter den Kulissen blieb er als Kulturmanager im Freiraum St. Pölten der Musikszene stets treu (seit 2012 bis heute).

Mit dem Song One Of Many Parts vom damals brandneuen Soloprojekt Soulitaire gelang es ihm dann erneut, persönliche Rekorde zu brechen, er läutete damit das vielgelobte Album I Believe In Rainbows ein:

Just when you think you’ve heard the whole singer-songwriter thing – it’s become a little bit of a cliché, and there are no more surprises in store – along comes one man and one guitar and sounds like this

sagte Tom Robinson auf BBC Radio 6, als er den Song New Breed anmoderierte. Red Bull Music folgte zur 2017er Single Bored Again und bezeichnete Rotheneder als „einen der besten Songwriter des Landes„.

2017 wurde er auch von Axel Wolph eingeladen, dessen Licht-Ins-Dunkel Song Bright Lights – zuvor interpretiert von Conchita, Lylit und Madita – zu co-produzieren und ihn auch bei Auftritten vor Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie in der ORF Sendung Licht ins Dunkel zu begleiten. Nach einer familiär bedingten Pause 2018 folgten – neben Auftragskompositionen für den Schauspieler und Sänger Serge Falck – vier weitere Soulitaire Singles von 2019 bis Anfang 2020.

Die Zeit der Pandemie nutzte er nicht nur für Musik, sondern realisierte mit musik.stp, einer Dachmarke für die vielfältige kreative Musikszene seiner Heimatstadt St. Pölten, ein langgehegtes und inzwischen sehr erfolgreiches Herzensprojekt.