Biografie

 I RENN UND I RENN
doch i kumm ned au
i find mein Weg nur
waun i stehen bleib

Wenn man den Weg nicht weiß, dann ist es eigentlich ganz normal, dass man stehen bleibt und vielleicht in die Karte schaut und nicht einfach irgendwie blind weiterläuft. Aber wenn es um alltägliche Dinge geht, dann will man immer noch schnell den Geschirrspüler einräumen oder noch kurz die eine E-Mail schreiben. Warum ist eigentlich das dringende Bedürfnis danach da, dass man noch schneller läuft? Weil das einzige, dass einem am Ende irgendwann passiert ist, dass einem einfach die Luft ausgeht.

MartinRotheneder_Pressefoto01_Website_Quadrat

Diesen Fragen geht Martin Rotheneder im Song „I renn und i renn“ nach, der vierten Single, die zugleich seine „Kaiserberg EP“ komplettiert und das erste Kapitel neuer Musik unter eigenem Namen.

Schon davor war er als „Soulitaire“ sehr produktiv, hat nun aber die Sprache hin zu Mundart gewechselt. Was bleibt ist sein erdig-druckvoller Sound mit elektronischen Einsprengseln, mit der Akustikgitarre als Basis, gewürzt mit Drumsamples, Bass, E-Gitarre und diversen anderen, oft nicht gleich erkennbaren Sounds. Oben drüber die typische Stimme, die durch die Mundart trotzdem wieder neue Facetten bekommt.

Diese Spielweisen hat Martin Rotheneder auf seinen vielen Stationen seit der Debut- Single Television 2004 bei Wohnzimmer Records stets verfeinern können. Worn Legs, der erste Release am damals noch neuen eigenen Plattenlabel Violet Noise Records, zeigte bereits ein umfangreiches Spektrum an Songwriting und Arrangement, das sich spätestens mit dem Erfolg der Band I Am Cereals zwei Jahre später bezahlt machte. Die Jahre 2010 und 2011 bildeten einen ersten Höhepunkt mit einer Top 5 Nominierung beim Amadeus Award für I Am Cereals, der erfolgreichen Grätsche zwischen FM4 und ö3 mit dem Wüstenrock-Loop-Duo The Black Riders und dem FM4-Dauerbrenner Pirate Ships – wiederum als Ben Martin.

Gerade als es Bilderbuch gelang, die gläserne Decke in der österreichischen Poplandschaft zu durchbrechen, war bei Martin Rotheneder eine erschöpfungsbedingte Pause angesagt. Nach einem letzten Ben Martin Album 2013 zog er sich ins Familienleben in seiner Heimatstadt St. Pölten zurück, gelegentlich sah man ihn als „Hired Gun“ als Gitarrist an der Seite von Lemo oder Julian Le Play, ansonsten blieb es bis 2016 eher ruhig. Einzig hinter den Kulissen blieb er als Kulturmanager im Freiraum St. Pölten der Musikszene stets treu (seit 2012 bis heute).

Mit dem Song One Of Many Parts vom damals brandneuen Soloprojekt Soulitaire gelang es ihm dann erneut, persönliche Rekorde zu brechen, er läutete damit das vielgelobte Album I Believe In Rainbows ein:

Just when you think you’ve heard the whole singer-songwriter thing – it’s become a little bit of a cliché, and there are no more surprises in store – along comes one man and one guitar and sounds like this

sagte Tom Robinson auf BBC Radio 6, als er den Song New Breed anmoderierte. Red Bull Music folgte zur 2017er Single Bored Again und bezeichnete Rotheneder als „einen der besten Songwriter des Landes„.

2017 wurde er auch von Axel Wolph eingeladen, dessen Licht-Ins-Dunkel Song Bright Lights – zuvor interpretiert von Conchita, Lylit und Madita – zu co-produzieren und ihn auch bei Auftritten vor Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie in der ORF Sendung Licht ins Dunkel zu begleiten. Nach einer familiär bedingten Pause 2018 folgten – neben Auftragskompositionen für den Schauspieler und Sänger Serge Falck – vier weitere Soulitaire Singles von 2019 bis Anfang 2020.

Die Zeit der Pandemie nutzte er nicht nur für Musik, sondern realisierte mit musik.stp, einer Dachmarke für die vielfältige kreative Musikszene seiner Heimatstadt St. Pölten, ein langgehegtes und inzwischen sehr erfolgreiches Herzensprojekt.