Biografie

Die Musik von Martin Rotheneder hat die österreichische Musiklandschaft seit 2004 aktiv mitgeprägt, der Name blieb dabei aber stets hinter Pseudonymen und Projektnamen versteckt: Ben Martin, I Am Cereals, The Black Riders und zuletzt Soulitaire. Nun legt er nicht nur die Maske ab, sondern singt auch erstmals auf Mundart statt wie zuletzt jahrelang auf Englisch.

HAMGAUNG läutet diese neue Ära ein, stark reduziert auf wenige Akkorde auf der Akustikgitarre. Davon möge man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn es stehen bereits drei weitere Songs auf dem Releaseplan, die eher dem Sound entsprechen, den man schon aus Ben-Martin-Zeiten und auch von den letzten Soulitaire-Singles kennt:

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Erdig-druckvoller Sound mit zarten elektronischen Einsprengseln, mit der Akustikgitarre als Basis, gewürzt mit Bass, E-Gitarre und diversen anderen, oft nicht gleich erkennbaren Sounds. Oben drüber die typische Stimme, die durch die Mundart trotzdem wieder neue Facetten bekommt.

Diese Finessen hat Rotheneder auf seinen vielen Stationen seit der Debut-Single Television 2004 bei Wohnzimmer Records stets verfeinern können. Worn Legs, der erste Release am damals noch neuen eigenen Plattenlabel Violet Noise Records, zeigte bereits ein umfangreiches Spektrum an Songwriting und Arrangement, das sich spätestens mit dem Erfolg der Band I Am Cereals zwei Jahre später bezahlt machte. Die Jahre 2010 und 2011 bildeten einen ersten Höhepunkt mit einer Top 5 Nominierung beim Amadeus Award für I Am Cereals, der erfolgreichen Grätsche zwischen FM4 und ö3 mit dem Wüstenrock-Loop-Duo The Black Riders und dem FM4-Dauerbrenner Pirate Ships – wiederum als Ben Martin.

Gerade als es Bilderbuch gelang, die gläserne Decke in der österreichischen Poplandschaft zu durchbrechen, war bei Martin Rotheneder eine erschöpfungsbedingte Pause angesagt. Nach einem letzten Ben Martin Album 2013 zog er sich ins Familienleben in seiner Heimatstadt St. Pölten zurück, gelegentlich sah man ihn als „Hired Gun“ als Gitarrist an der Seite von Lemo oder Julian Le Play, ansonsten blieb es bis 2016 eher ruhig. Einzig hinter den Kulissen blieb er als Kulturmanager im Freiraum St. Pölten der Musikszene stets treu (seit 2012 bis heute).

Mit dem Song One Of Many Parts vom damals brandneuen Soloprojekt Soulitaire gelang es ihm dann erneut, persönliche Rekorde zu brechen, er läutete damit das vielgelobte Album I Believe In Rainbows ein:

„Just when you think you’ve heard the whole singer-songwriter thing – it’s become a little bit of a cliché, and there are no more surprises in store – along comes one man and one guitar and sounds like this“

sagte Tom Robinson auf BBC Radio 6, als er den Song New Breed anmoderierte. Red Bull Music folgte zur 2017er Single Bored Again und bezeichnete Rotheneder als „einen der besten Songwriter des Landes“.

2017 wurde er auch von Axel Wolph eingeladen, dessen Licht-Ins-Dunkel Song Bright Lights – zuvor interpretiert von Conchita, Lylit und Madita – zu co-produzieren und ihn auch bei Auftritten vor dem Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie in der ORF Sendung Licht ins Dunkel zu begleiten. Nach einer familiär bedingten Pause 2018 folgten – neben Auftragskompositionen für den Schauspieler und Sänger Serge Falck – vier weitere Soulitaire Singles von 2019 bis Anfang 2020.

Die Zeit der Pandemie nutzte Rotheneder nicht etwa für ein neues Album, sondern realisierte mit musik.stp, einer Dachmarke für die vielfältige kreative St. Pöltner Musikszene, ein langgehegtes Herzensprojekt. Die dafür gefilmten Interviews mit Kolleg_innen sowie der Wunsch nach mehr Ressourcenschonung durch einen stärkeren Fokus auf Regionalität inspirierten letztlich unterschwellig den Wechsel zur Mundart.